Versunkene Kosten

Jeder hat diese Situation bestimmt schon einmal erlebt. Stell dir folgendes Szenario vor: Du möchtest eine Reise planen für den nächsten Sommer. Du hast ein gutes Angebot gefunden, bei dem du mit deinem Partner nach Vietnam fliegst. Kostenpunkt: 2000€ für Flug und Unterkunft für beide Personen für 3 Wochen. Es ist kein Schnäppchen, aber die Broschüre hat dich total überzeugt.

Einige Monate später bekommst du eine E-Mail von deinem lokalen Reisebüro. Dieses Büro macht dir ein unschlagbares Angebot für die Seychellen, weil 2 Personen doch abgesprungen sind. Das Angebot ist für dich sehr reizvoll (3000€ für 2 Wochen). Du wolltest schon immer einmal auf die Seychellen mit deinem Partner und kannst nicht nein sagen trotz nicht vorhandener Rückerstattung. Die Buchung ist durch und es vergehen einige Stunden, bis du den Fehler bemerkst. Die Reise überschneidet sich mit ein paar Tagen mit deiner geplanten Reise nach Vietnam. Jetzt stehst du vor dem Problem: Welche Reise trittst du an?

Wenn du dich für Vietnam entscheidest, dann hast du 3000€ für die Seychellen umsonst ausgegeben und eine super Reise gemacht. Entscheidest du dich für die Seychellen, dann hast man 2000€ für Vietnam umsonst ausgegeben, aber du hast eine grandiose Erfahrung gemacht. Was tun in dieser Situation?

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Welche Entscheidung triffst du? Die meisten Leute treffen die Entscheidung (in diesem Beispiel) nach Vietnam zu fliegen, weil sie so weniger Geld umsonst ausgegeben haben (2000€ anstatt 3000€). Aber wäre es nicht besser sich für die Seychellen zu entscheiden? Denn am Ende hast du 5000€ ausgegeben, unabhängig davon für welche Reise du dich entscheidest. Du solltest dich für die Reise entscheiden, bei der du am meisten Spaß hättest.

Das nennt sich „sunken cost“ oder im Deutschen auch genannt: „versunkene Kosten“. Bei diesem Bias entscheidet man aufgrund von vergangenen Kosten oder Verlusten anstatt von zukünftigen Gewinnen / Erfahrungen.

Ein anderes und mehr alltäglicheres Beispiel um das zu verdeutlichen:
Du gehst mit deinem Partner ins Kino und ihr bezahlt 10€ pro Person für einen Film. Ihr setzt euch in den Saal und die Vorstellung geht los. Doch nach 15 Minuten merkt ihr, dass ihr beide total gelangweilt seid und der Film ganz und gar nicht den Erwartungen entspricht. Also was tun? Bleibt ihr sitzen? Oder steht ihr auf und geht aus dem Kino Saal?

Viele Menschen bleiben sitzen und schauen sich den Film zu Ende an der 120 Minuten dauert, damit die 20€ nicht umsonst waren. Aus Prinzip wie du bestimmt schon mal gehört oder gar selbst gesagt hast?

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Aber wäre es nicht besser nur 20€ und 15 Minuten eurer Zeit bezahlt zu haben anstatt 20€ + 120 Minuten? In dieser Zeit könnte man viele andere nützliche oder unterhaltsame Dinge erledigen. Das Prinzip der „versunken Kosten“ wird hier deutlich. Egal für welche Entscheidung man sich entscheidet: die 20€ sind „versunken“ also verloren. Dieses Prinzip kann sich aber auch auf Zeit oder Aufwand beziehen und beschränkt sich nicht nur auf Geld.

Generell können solche Situationen überall auftreten. Natürlich nicht nur im privaten Umfeld. Das kann sehr gut innerhalb einer Firma auftreten, oder aber auch auf Regierungsebene. Dann kann dieser Irrtum enorm große Ausmaße annehmen.

Der Name Concorde ist dir vielleicht noch bekannt. Es handelte sich hierbei um ein besonderes Flugzeug, welches von London nach New York in nur 3 – 3,5 Stunden fliegen konnte. Jenes Modell war von 1969 bis zum Jahre 2003 im Einsatz von British Airways als auch Air-France welche dieses Flugzeug auch zusammen entwickelt haben. Ein sehr unschönes Ende fand die Concorde jedoch am 25. Juli 2000.

Warum verweise ich auf die Concorde?

Zu Beginn der Entwicklungszeit des vorhin genannten Flugzeugs waren die Kosten auf 170 Millionen (heutiger Wert: ca. 2,95 Milliarden GBP) Pfund geschätzt. Am Ende überstiegen die Kosten auf über 1.000 Millionen Pfund (heutiger Wert: ca. 17,36 Milliarden Pfund). Gründe waren u.a. das Teile in Großbritannien (z.b. das Triebwerk) und Frankreich (z.b. die Flugzelle) entwickelt wurden und so viele Dokumente in 2 Sprachen (für Installationen oder Abstimmungen der Ingenieure) geschrieben werden musste. Der Concorde Effekt in einigen Business Magazinen wird der „sunken cost“-Irrtum gerne auch Concorde-Effekt genannt.

Zu einem gewissen Zeitpunkt wurde also so viel Geld und Zeit investiert, dass es unlogisch erschien jetzt abzubrechen („Wir sind fast fertig“, hat bestimmt jeder schon einmal gesagt und fest gestellt das es doch länger gebraucht hat als angenommen). Der politische Druck war sehr groß. Natürlich kann auch Prestige hinter so einem enorm bekannten Projekt stecken.

Eduard Marmet – QuelleCC BY-SA 3.0

Loss aversion

Ein weiteres (kleines) Beispiel: Wenn du als Person 50€ geschenkt bekommst, fühlst du dich großartig. Wenn dir aber diese 50€ wieder weg genommen werden, fühlst du dich schlechter als du noch kein Geld geschenkt bekommen hast. Damit du das ursprüngliche Gefühl wieder bekommst, musst du neben den vorigen 50€ nochmalig 50€ dazu bekommen.

Bei dem vorigen Beispiel muss also das Geld verdoppelt werden, damit du wieder auf die großartige Gefühlslage zurück kommst. Das zeigt, dass das Gehirn Verluste und Gewinne sehr unterschiedlich verarbeitet. Oft zu unserem Nachteil.

Die „Verlustaversion“ ist hier eine mögliche Erklärung für das Phänomen der versunkenen Kosten. „Verlustaversion“ ist eine Erkenntnis von vielen die Daniel Kahneman und Amos Tversky in verschiedenen Forschungsarbeiten im Bereich der Entscheidungsfindung in Situationen mit Risiko herausgefunden haben. Für diese Arbeit haben Kahneman und Tversky im Jahr 2002 auch den Nobelpreis für Wirtschaft erhalten.

Ich habe nun einige Beispiele in diesem Artikel genannt. Hast du dieses Gefühl der versunkenen Kosten in deinem Berufsleben oder privat erlebt? Und wie hast du in dieser Situation gehandelt?

Ich würde mich freuen, wenn du es mir in die Kommentare schreibst.

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